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Sehr geehrter Herr Dr. Bechte, Frau Präsidentin, Spektabilitäten, sehr geehrte
Damen und Herren!
Es macht Freude, bringt wissenschaftlichen Gewinn und erhöht das Ansehen der
Wissen- schaftsmetropole Berlin, wenn sich unter unseren 70 außeruniversitären
Forschungseinrichtungen möglichst viele "Centers of excellence" befinden.
Insofern ist die feierliche Eröffnung des Max-Born-Instituts ein freudiges Ereignis
für die Stadt, für die Wissenschaft und natürlich auch für das Institut selbst,
das sich durch die Wahl seines Namenspatrons zu Spitzenleistungen verpflichtet
hat.
Max Born war einer der ganz großen Physiker dieses Jahrhunderts, dem wir die
Entwicklung der Quantenmechanik verdanken. Er wurde 1915 auf Vorschlag Max Plancks
als Extraordinarius an die Berliner Universität berufen, gewann die Freundschaft
Albert Einsteins, war nicht nur ein herausragender Naturwissenschaftler, sondern
auch ein anregender philosophischer Denker sowie ein tätiger
Humanist. Wenn wir heute "Ethik in der Wissenschaft", "Technologiefolgenabschätzung"
oder "Politikberatung durch die Wissenschaft" für notwendig halten,
so war Max Born einer der Wegbereiter dieses Denkens und Handelns. Dafür stehen
Meinungsäußerungen wie die 1960 erschienene Schrift "Physik und Politik"
oder sein immer wiederkehrender Einsatz für die Wahrung des Weltfriedens und
die Verantwortung der Gelehrten für den Umgang mit wissenschaftlichen Erkenntnissen.
Der Schwerpunkt der Arbeit des Max-Born-Instituts liegt auf den Gebieten Quantenoptik,
Atom- und Molekülphysik sowie Physik der kondensierten Materie, Gebieten also, zu deren
Entwicklung Max Born bahnbrechende Beiträge geleistet hat.
Das Max-Born-Institut gehört zu den außeruniversitären Forschungseinrichtungen,
die aufgrund der Empfehlungen des Wissenschaftsrates - nach Evaluierung des
damaligen Zentralinstituts für Optik und Spektroskopie der DDR-Wissenschaftsakademie
- am 1. Januar 1992 gegründet worden sind.
16 neue Forschungseinrichtungen sind auf diese Weise im Ostteil unserer Stadt
neu entstanden und 13 Institutsteile oder Forschergruppen sind in bestehende
wissenschaftliche Einrichtungen eingegliedert worden.
Damit befinden sich nunmehr 21 gemeinschaftsfinanzierte Forschungseinrichtungen
und 12 Außenstellen in unserer Stadt, für die wir 1994 700 Mio. DM aufwenden;
allerdings werden zwei Drittel dieser Summe von Bund und den übrigen Ländern
refinanziert. Schon vor über einem Jahr konnte der Bundesforschungsminister
mit Befriedigung feststellen, daß die außeruniversitäre Forschung der geordnetste
und stabilste Bereich in den neuen Bundesländern überhaupt sei.
Eine der letzten Hürden konnte dieser Tage genommen werden: Nach langwierigen
Verhandlungen haben sich Bund und Land Berlin auf die Gründung und Förderung
eines Institutes für Angewandte Chemie als Nachfolgeeinrichtung der Chemischen
Zentren in unmittelbarer Nachbarschaft des Max-Born-Instituts verständigt.
Der Aufbau einer einheitlichen Forschungslandschaft bietet in Berlin die Chance,
die Stadt erneut zu einer Wissenschaftsmetropole mit Weltgeltung zu profilieren,
wie sie es zu Zeiten von Max Planck, Albert Einstein und Max Born einmal war.
In Berlin gibt es heute drei Universitäten, 14 weitere Hochschulen und mehr
als 200 außeruniversitäre Forschungsund Entwicklungseinrichtungen. In den Wissenschaftseinrichtungen
Berlins waren Ende 1992 ca. 50 000 Personen tätig, darunter 16 000 Wissenschaftler.
Damit verfügt Berlin über eine einzigartige Forschungsinfrastruktur.
Aber wir wissen auch: Die "Masse" der Forschungseinrichtungen alleine
macht Berlins Forschung noch nicht zu dem innovativen Motor für Strukturwandel
und Modernisierung, den wir angesichts von Rezession und Arbeitsmarktproblemen
brauchen. Die Physiker wissen: je größer die Masse, um so größer ihre Trägheit
gegenüber einer Bewegungsänderung. Um so größer also auch der erforderliche
Impetus.
Der Berliner Senat versteht dies als Herausforderung und setzt alles daran,
Synergien herzustellen und Defizite zu beseitigen.
Insbesondere muß der Grad kooperativer Vernetzung erhöht und die Forschung
konsequenter auf zukunftsträchtige Wachstumsfelder ausgerichtet werden. Ebenso
muß der Technologietransfer verstärkt und die Industrieforschung/Ost wieder
ausgebaut werden. So kann die Forschungslandschaft schärfere Konturen und damit
ein berlinspezifisches Profil gewinnen
Dabei kann gerade das Max-Born-Institut einen wichtigen Beitrag zur Neuprofilierung
und Stärkung der Berliner Forschung leisten: An der Spitze des Instituts stehen
drei hervorragende Wissenschaftler mit wohlausgewogener Alterstruktur, sich
ergänzenden Wissenschaftsprofilen und Erfahrungshorizonten
Dieses Direktorium ist ein Spiegelbild der Komplexität des Aufgabengebietes.
Über gemeinsame Berufungen sind alle drei Direktoren des Max-Born-Institutes
sehr eng mit den drei Berliner Universitäten verbunden. Auch dies ist ein Beispiel
für erfolgreiche Vernetzung von außeruniversitären Forschungseinrichtungen und
Universitäten.
Das breite und interdisziplinär ausgerichtete Forschungsprogramm des Max-Born-Institutes
benennt zwei Schwerpunkte der Berliner Wissenschaftslandschaft, die Laserforschung
und applikation sowie die Material- und Strukturforschung. Mit der Ultrakurzzeitdynamik
verfügt das Institut über eine einzigartige, multidisziplinär nutzbare "Sonde",
die sowohl bei der Erforschung kondensierter und biologischer Materie neue Bereiche
räumlicher wie zeitlicher Auflösung erschließen wird.
Nur wenige hundert Meter vom Ort unserer heutigen Festveranstaltung entfernt
entsteht die neue Hochbrillanz-Synchrotronstrahlungsquelle BESSY II: Eine spannende
Konstellation, wird doch das Max-Born-Institut mit besonderer Aufmerksamkeit
die Synergie und Komplementarität von Synchrotronund Laserstrahlung auszuloten
haben.
Das Max-Born-Institut ist zuallererst ein Institut der physikalischen Grundlagenforschung.
Und von der Qualität der heutigen Grundlagenforschung hängt es ab, welche Technologien
zu Beginn des 21. Jahrhunderts für die Produktivitätssteigerung der Industrie
und die Sicherung des Gemeinwohls bestimmend sein werden.
Das Max-Born-Institut ist ein gutes Beispiel dafür, daß moderne Grundlagenforschung
immer auch ihre Anwendungsbezüge im Blickfeld hat und zu einem schnellen und
wirksamen Transfer von Forschungs-Know-how in die Industrie beiträgt.
Dabei kommt dem Institut sein Standort auf dem Gelände des Forschungsund Technologieparks
Adlershof zugute, wo ein zukunftsweisendes Modell einer effizienten Verflechtung
von Wissenschaft und Wirtschaft verwirklicht werden soll. Die enge räumliche
Nachbarschaft von Forschungseinrichtungen, Universitäts-Institutionen und privatwirtschaftlichen
Unternehmen wird ein Klima gegenseitiger Anregung und Befruchtung schaffen.
In dem nicht unkomplizierten, mitunter schwer zu überschauenden Adlershofer
Geschehen haben sich das Max-Born-Institut und insbesondere sein geschäftsführender
Direktor, Herr Professor Hertel, zu einem integrierenden Faktor entwickelt.
Mit der Arbeitsgemeinschaft wissenschaftlicher Nutzer des Adlershofer Areals
ist ein Gremium entstanden, das sich als kompetenter konstruktiver Partner der
Berliner Senatsverwaltungen bewährt hat. Für diese Initiative, hinter der die
keineswegs selbstverständliche Fähigkeit und Bereitschaft steht, über den "eigenen
Gartenzaun" zu schauen und institutsübergreifende Interessen der wissenschaftlichen
Klientel nachdrücklich zu vertreten, gebühren Herrn Professor Hertel und dem
Max-Born-Institut Dank und Anerkennung.
Wie unentbehrlich Sie uns geworden sind, Herr Professor Hertel, mögen Sie
an Ihrer Berufung in den Aufsichtsrat der EGA ablesen.
Ich bin überzeugt, daß sich das Max-Born-Institut zu einem Center of excellence
der Untersuchung von Struktur und Dynamik der Materie auf atomistischer Basis
entwickeln wird. Deshalb werde ich mich mit Nachdruck dafür einsetzen, daß die
notwendigen Sanierungsund Ausbaumaßnahmen mit Hilfe der bewährten Bauabteilung
der Max-Planck-Gesellschaft möglichst rasch vorangebracht werden.
Holte einst Max Planck Max Born nach Berlin, so unterstützt heute die Max-Planck-Gesellschaft
den Aufbau des des Max-Born-Instituts.
Lassen Sie mich zum Schluß den Dank des Senats von Berlin abstatten:
- dem damaligen Leiter der Arbeitsgruppe Physik des Wissenschaftsrates, Herrn
Professor Gabriel
- dem Gründungskomitee des Institutes unter seinem engagierten Vorsitzenden,
Herrn Professor Welling
- dem in schwieriger Übergangszeit als kommissarischen Institutsleiter tätigen
Herrn Professor Brunner
- last but not least dem geschäftsführenden Institutsdirektor, Herrn Professor
Hertel
- sowie den Herren Dr. Elsässer und Professor Sandner.
Schließlich bedanke ich mich für die jederzeit sachliche und konstruktive Zusammenarbeit
mit unseren Partnern auf der Bundesseite, von der wir auch weiterhin im Wege
zusätzlicher Projektförderung eine nachhaltige Unterstützung erwarten.
Ich wünsche dem MBI und allen seinen Mitarbeitern eine gute und erfolgreiche
Zukunft!
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